FAQ

1. Was macht die profesionelle Tantramassageausbildung nach den Kriterien des Tantramassageverbandes in der Zinnoberschule so besonders gegenüber einem Tantramassageseminar?

Die Ausbildung im Zinnober richtet sich auf die berufliche Arbeit aus. Dabei ist das professionelle Eintauchen in die gebende, aktive Rolle maßgebend.
Schon von Beginn ermöglicht die Ausbildung, die eigene männliche bzw. weibliche Quelle und natürliche Autorität zu erforschen und zu festigen.

Die Teilnehmer/Innen spiegeln verschiedene Aspekte des Mensch-Seins, Mann-Seins, Frau-Seins, es entsteht dadurch viel Inspiration und auch eine schöne Zusammenarbeit untereinander.

In guten Massage-Instituten wird Wert auf inspirierende und bekräftigende Zusammenarbeit unter den Mitarbeiten gelegt. Nicht der Konkurrenzkampf wächst, sondern ein stark unterstützendes Arbeits- und Forschungsfeld. Dieses ist das Fundament für die professionelle tantrische Arbeit in einem Team.

2. Können Ausbildungsteilnehmer Ihre Grenzen wahren?

Ja, denn um mich wirklich öffnen zu können, brauche ich das Vertrauen, dass ich meine Grenzen setzen kann, wenn ich den Schutz brauche. Das bedeutet, Menschen mit gesunden Grenzen haben die Türklinken innen im Raum.

Jeder Mensch hat seine eigenen ganz individuellen Grenzen und zwei Menschen haben selten die selbe. Und weil wir Menschen alle anders sind, kommt es auch vor, dass wir versehentlich einen Schritt über die Grenze eines anderen Menschen tun. Oft passiert das, ohne dass wir es beabsichtigen, und sogar, ohne dass wir es bemerken.

Wenn du deine Grenzen wahren möchtest, dann musst du dir erst einmal erlauben, überhaupt eine Grenze zu haben und diese auch zu schützen. Und die Voraussetzung dafür ist wiederum, die eigene Grenze genau zu spüren. Sonst passiert es schnell, dass man, ohne es zu merken über Deine Grenze geht und Du dann erst im Nachhinein viel zu spät merkst, dass jemand unerlaubt in dein Hoheitsgebiet eingedrungen ist.

Gesunde Grenzen geben Selbstvertrauen in die Fähigkeit der eigene Sicherheit und Selbstregulation und bringen Wohlbefinden.

Gesunde Grenzen sind flexibel und sie verändern sich in der jeweiligen Situation von Moment zu Moment.

Man kann auswählen, was herein und was hinaus darf. Mit gesunden Grenzen kannst Du mit ganzem Herzen „Ja“ oder „Nein“ sagen und verfügst über Möglichkeiten dazwischen. Du kannst Dich ganz öffnen für einen vertrauten Menschen oder Dich abgrenzen, um psychische und physische Verletzungen fernzuhalten. Wirklich „JA“ und „NEIN“ sagen zu können, ermöglicht erst echten authentischen Kontakt und ist die Voraussetzung für Intimität.

3. Sind sehr junge Männer/Frauen oder ältere Männer/Frauen nicht so geeignet zur Arbeit als Tantramasseur/In sein?

Das kann nicht generalisiert werden und ist individuell unterschiedlich. Oft sind sehr junge Menschen in ihrer Männlichkeit/Weiblichkeit und in ihrer sexuellen Autorität noch zu wenig gefestigt. Die Jugend ist eine Lebensphase, in der die Männlichkeit/Weiblichkeit reifen darf, in der Mann/Frauen ihre Erfahrungen machen, in der Liebesglück und Liebeskummer oft nah beieinander liegen und in der sie ihr Verhältnis zur/zum Frau/Mann in Ruhe austesten können. Sie sollten sich diese Zeit nehmen.

In der Massage entsteht ein sexueller Raum, den der/die Masseur/In souverän beherrschen und halten können muss. Es gibt wenige Menschen mit 20 Jahren oder jünger, die dies gelassen und genüsslich können.

Trotzdem können junge Menschen die Ausbildung machen und sich darin austesten, ob sie diese Tätigkeit auch professionell ausüben wollen. Dann wäre es auf jeden Fall wichtig, in einem Institut und Team gut aufgehoben zu sein und nicht allein zu arbeiten.
Ältere Menschen können durchaus sehr gut massieren. Sie sind in der Lage, durch ihre Reife Mitgefühl, Geborgenheit und eine besondere Intimität in die Massage zu bringen. Oft haben sie Ausbildungen und Erfahrung mit Massage, die sie in besonderer Weise zu dieser Arbeit befähigt. Sie haben gelernt, mit der sexuellen Energie umzugehen und diese bewusst zu einzusetzen.

Selbstverständlich dürfen auch ältere Menschen an der Ausbildung im Zinnober teilnehmen. Wenn ein Mensch im reifen Alter mit dem Beruf Tantramasseur/In beginnen will, sollte er sich selbst Rechenschaft darüber geben, aus welchen Motiven er diese Arbeit machen will.

Möchte er noch teilnehmen am Spiel von Eros und Begehren? Wie lange will und kann er diese Arbeit machen? Welches sind seine speziellen gesellschaftlichen Aufgaben als Mann bzw. Frau in der „Schwarzen Phase“? Möchte er etwas Verpasstes nachholen, oder möchte er sich aus seiner reifen Fülle heraus in Großzügigkeit verschenken? Dies alles wird letztendlich entscheiden, ob der Mensch diese Arbeit mit Freude und Lust ausüben wird.

4. Warum ist der/die Masseur/In während der Massage nackt?

Wir tragen weder distanzierende Kleidung noch aufreizende Kleidung.
Nacktheit ist Mensch-Sein in seiner Ursprünglichkeit. Wir folgen der tantrischen Tradition, nach der sich Mann und Frau, als Repräsentation von „Shiva und Shakti“, ebenbürtig und ohne schützende Hüllen begegnen.

Wenn das Nackt-Sein befreit ist von Scham oder Pornographie, wird es bei einer ganzheitlichen Massage als selbstverständlich und natürlich erlebt.

Auch das gehört zur Aufgabe des/der Masseur/In, den Gast mit Natürlichkeit und ohne Koketterie durch die Massage zu führen. Dazu kommt, dass in der Massage die körperliche Nähe bewusst gestaltet wird. Da wäre Kleidung distanzierend und hinderlich.

5. Wäre es nicht eher im tantrischen Sinn, wenn der Massagekunde auf Orgasmus und Ejakulation verzichtet?

Im Tantra gibt es kein übergeordnetes Gedankengebäude, das über richtig oder falsch urteilt. Es ist ein spiritueller Weg, der die sexuelle Energie als zentrale Lebenskraft anerkennt. Daraus haben sich unterschiedliche Richtungen entwickelt.

Einige Schulen streben den Orgasmus ohne Ejakulation an. Andere wiederum lehnen Orgasmus ab, egal ob mit oder ohne Ejakulation. Sie streben eine Art Ekstase in Entspannung an. Das bedeutet aber nicht, dass der Orgasmus verboten ist, sondern dass die Lernenden einen neuen Weg unabhängig vom alten lernen.

Allerdings hat die Fähigkeit bewußt mit  Erregung umzugehen mit dem sinnlichen Bezug zum eigenen Körper zu tun und nichts mit einem „Abklemmen“ der Ejakulation kurz vor dem Orgasmus zu tun. Das ist eher schädlich und unterdrückt das Fliessen der Energie.

Die Tantramassage kann aber Inspiration und Erfahrung vermitteln, den Samenerguss zu verzögern, und dadurch neue Räume des Genusses und der Selbstwahrnehmung kennen zu lernen. Das Wichtigste dabei ist, sich Zeit zu nehmen und in einer Atmosphäre des Vertrauens und der Akzeptanz zu sein.

Die direkte Fokussierung auf das Ziel des genitalen Orgasmus begrenzt die sexuellen Möglichkeiten des Menschen. Wenn er sich erlaubt, sich auszudehnen und sich Zeit zu nehmen, erweitert er seine Genussfähigkeit.

Dies ist die Absicht der Tantramassage in Bezug auf den Orgasmus.

6. Was ist der Unterschied zu Prostitution?

Prostitution ist eine gewerbsmäßige Dienstleistung, die auf die Befriedigung sexueller Bedürfnisse ihrer Kundschaft abzielt. Der Körper (meist der weibliche, aber auch der männliche) wird als Objekt für sexuelle Projektionen und als Möglichkeit zu deren Erfüllung zur Verfügung gestellt.
Dabei geht es in der Prostitution darum, die sexuelle Energie hoch zu puschen und möglichst schnell zu entladen. Das macht oft nicht satt und braucht dann immer stärkere Reize. Die Einlösung der Phantasie und das Rollenspiel der / Prostituierten sind dabei wichtige Elemente.
Der Kunde hat ein sexuelles Bedürfnis und verhandelt dies mit der Prostituierten.

Bei der Tantramassage, wie wir sie lehren, geht es nicht um die Einlösung der sexuellen Bedürfnisse und Vorstellungen des Kunden. Stattdessen steht das ganzheitliche Wohlbefinden und ein entstresster Zustand des männlichen und weiblichen Gastes im Mittelpunkt.
Die sexuellen Bedürfnisse der Massagegäste sind weder thematisiert noch verhandelbar.
Der/Die Tantramasseur/In stellt nicht ihren Körper zur sexuellen Befriedigung des Gast zur Verfügung, spielt nichts vor, sondern bleibt in der Integrität.
Es geht in der Tantramassage nicht darum, die sexuelle Energie aufzuladen und schnell verpuffen zu lassen, sondern sie zu lenken, ggf. zu kühlen und so damit umzugehen, dass sie sich mit dem Herzen verbinden kann.
Das sexuelle Empfinden des/der Masseur/In ist für die Massage nicht relevant.
Dadurch sind wir in der Lage einen authentischen Kontakt herzustellen, der den Gast wirklich nähren und ihn mit tiefer Zufriedenheit entlassen kann.

7. Akzeptieren die Gäste in der Regel die Grenzen der Massage?

Grundsätzlich klärt sich durch den Aussen-Auftritt eines Instituts und durch das Telefonat bei der Terminvereinbarung bereits, welche Kunden sich von dem Angebot einer seriösen Tantramassage angezogen fühlen. Normalerweise kommen gut informierte und sehr respektvolle Gäste. Respekt ist etwas, das wir geben und auch erwarten dürfen.

In der Praxis zeigt sich vor allem am Anfang, wie wichtig es ist, mit Kollegen zusammen zu arbeiten, mit denen man sich über die Erfahrungen in der Massage austauschen kann. Was lief gut? Was ist nicht so gut gelaufen? Wie gehe ich um mit der sexuellen Energie des Massagegastes? Wie gehe ich um mit meiner eigenen sexuellen Energie? Wie kann ich eine sinnliche- männliche bzw. weibliche Autorität entwickeln und freundlich Grenzen setzen?
Das sind Fragen, die ein Vertrauen und Kommunikation brauchen, um in die Arbeit als Tantramasseur/In hinein zu wachsen.

Print Friendly, PDF & Email